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Worauf es wirklich ankommt · Teil 13.3

Erst warm werden, dann loslegen – warum die ersten Minuten so viel ausmachen

Aufwärmen klingt nach Pflichtprogramm, das man gern überspringt. Dabei sind es genau diese paar Minuten am Anfang, die dein Training angenehmer, runder und sicherer machen. Und das Beste: Ein gutes Warm-up braucht weder Geräte noch viel Zeit.

In Teil 13.2 ging es darum, wie du zuhause klug trainierst – mit Körpergewicht, Band oder Kettlebell. Bevor du loslegst, lohnt sich ein kurzer Moment der Vorbereitung. Nicht aus Pflichtgefühl, sondern weil dein Körper es dir mit besserer Bewegung dankt.

1. Was beim Aufwärmen in dir passiert

Aufwärmen bringt deinen Körper sanft auf Betriebstemperatur – wörtlich. Die Muskeltemperatur steigt, Muskeln, Sehnen und Gelenke werden geschmeidiger und weniger steif.2 Gleichzeitig kommt die Durchblutung in Schwung, mehr Sauerstoff erreicht die Muskulatur, und dein Nervensystem «wacht auf» und steuert die Bewegung präziser an.

Das Ergebnis: Du fühlst dich beweglicher, die Bewegungen gelingen kontrollierter, und dein Verletzungsrisiko sinkt. Übersichtsarbeiten zeigen, dass ein gezieltes Warm-up die Leistung verbessern kann – bei sehr überschaubarem Aufwand.1

2. In Schwung kommen – der allgemeine Teil

Beginne mit etwas, das deinen Kreislauf sanft hochfährt: ein paar Minuten zügiges Gehen, Treppensteigen, Velofahren oder lockeres Marschieren auf der Stelle. Fünf bis zehn Minuten reichen völlig. Du sollst leicht ins Schwitzen kommen, nicht ausser Atem sein.

Danach ein paar lockere, fliessende Bewegungen, um die Gelenke zu mobilisieren: Arme kreisen, Hüfte kreisen, sanfte Ausfallschritte, Oberkörper drehen. Wer mag, kann auch kurz die Faszienrolle nutzen – nötig ist sie aber nicht.

3. Beweglich machen: dynamisch statt lange halten

Hier lohnt sich eine Unterscheidung: Dynamisches Dehnen bedeutet, in sanfter Bewegung zu bleiben – die Bewegung wird nur kurz bis an die Grenze geführt, nicht gehalten. Das passt gut vor dem Training und kann sich sogar positiv auf die Kraft auswirken.5

Langes, ruhiges Halten in der Dehnung (statisches Dehnen) gehört dagegen eher nicht an den Anfang: Direkt vor einer fordernden Belastung kann es die Leistung kurzfristig sogar etwas bremsen.34 Heb dir das ruhige Dehnen lieber für nachher oder einen separaten Moment auf.

4. Einschleichen statt kalt reinspringen

Das wirksamste Aufwärmen ist die geplante Übung selbst – nur leichter. Statt gleich mit dem vollen Widerstand zu starten, machst du erst ein bis zwei lockere Durchgänge derselben Bewegung und steigerst dann.

Beispiel Kniebeuge zuhause: erst ein paar Kniebeugen ganz ohne Gewicht, dann mit der leichten Wasserflasche, und erst danach mit der schwereren Kettlebell. So weiss dein Körper schon, was kommt – die Bewegung läuft sauberer, und nichts überrascht dich «kalt». Je fordernder und früher im Training eine Übung ist, desto mehr lohnt sich dieses Einschleichen.

Dein Warm-up in 3 Schritten

Zusammen rund 8–10 Minuten – ganz ohne Geräte.

1
In Schwung kommen · 3–5 Min Zügig gehen, Treppen, Velo oder auf der Stelle marschieren – bis dir leicht warm wird.
2
Locker machen · 2–3 Min Gelenke mobilisieren in sanfter Bewegung: Arme und Hüfte kreisen, Ausfallschritte, Oberkörper drehen. In Bewegung bleiben, nicht halten.
3
Einschleichen · 1–2 Min Die erste Übung erst leicht, dann steigern – ein, zwei lockere Durchgänge, bevor es richtig losgeht.

Und das lange Dehnen? Das ruhige, gehaltene Dehnen hebst du dir für nach dem Training oder einen ganz eigenen Moment auf.

5. Muss ich überhaupt dehnen?

Zur Beruhigung: Dehnen ist kein Muss. Wenn du sauber und über den vollen Bewegungsradius trainierst, verbessert das deine Beweglichkeit ähnlich gut wie aktives Dehnen.6 Ein kurzes, dynamisches Warm-up reicht für die meisten völlig. Dehnen darfst du zusätzlich – wenn es dir guttut und Freude macht.

«Die ersten zehn Minuten entscheiden oft, wie sich die nächsten vierzig anfühlen. Gut vorbereitet trainiert es sich leichter.»

Das nimmst du mit

  • Ein kurzes Warm-up macht Bewegung geschmeidiger und sicherer.
  • Erst in Schwung kommen, dann sanft mobilisieren – in Bewegung bleiben.
  • Dynamisch vor dem Training, ruhiges Dehnen lieber danach.
  • Übungen «einschleichen»: erst leicht, dann steigern.
  • Dehnen ist kein Muss – sauberes Training hält dich ebenfalls beweglich.

Damit dein Körper auch wirklich Leistung bringt

Ein gutes Warm-up ist der Start in die Bewegung – die Energie dafür und die Erholung danach kommen aus deiner Ernährung. Wenn du spürst, dass dir Kraft oder Beständigkeit fehlen, schauen wir in der Ernährungsberatung gemeinsam, was dein Alltag dafür braucht – ohne Verzicht-Stress.

Ernährungsberatung entdecken

EMR-anerkannt – die Kosten werden je nach Zusatzversicherung ganz oder teilweise zurückerstattet.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle ärztliche oder therapeutische Beratung. Wenn du gesundheitliche Fragen, Beschwerden oder Vorerkrankungen hast, kläre intensiveres Training bitte vorab ärztlich ab. Höre auf deinen Körper und gehe behutsam vor.

Quellen

  1. Fradkin AJ, Zazryn TR, Smoliga JM. Effects of warming-up on physical performance: a systematic review with meta-analysis. J Strength Cond Res. 2010;24(1):140–148.
  2. McGowan CJ, Pyne DB, Thompson KG, Rattray B. Warm-up strategies for sport and exercise: mechanisms and applications. Sports Med. 2015;45(11):1523–1546.
  3. Behm DG, Chaouachi A. A review of the acute effects of static and dynamic stretching on performance. Eur J Appl Physiol. 2011;111(11):2633–2651.
  4. Simic L, Sarabon N, Markovic G. Does pre-exercise static stretching inhibit maximal muscular performance? A meta-analytical review. Scand J Med Sci Sports. 2013;23(2):131–148.
  5. Opplert J, Babault N. Acute effects of dynamic stretching on muscle flexibility and performance: an analysis of the current literature. Sports Med. 2018;48(2):299–325.
  6. Afonso J, et al. Strength training versus stretching for improving range of motion: a systematic review and meta-analysis. Healthcare (Basel). 2021;9(4):427.