Worauf es wirklich ankommt · Teil 8
Kohlenhydrate oder Fette? Warum die «perfekte» Verteilung ein Mythos ist
Low Carb, Keto, fettarm – kaum ein Thema sorgt für mehr Verunsicherung. Die gute Nachricht: Du musst dich gar nicht entscheiden. Was wirklich zählt, ist etwas viel Einfacheres – und vor allem alltagstauglicher.
Vielleicht kennst du das: Die eine Freundin schwört auf Low Carb, die nächste auf Keto. Im Internet liest du, Fett sei das Problem – oder eben doch der Zucker. Am Ende bleibt vor allem ein Gefühl zurück: Egal was ich tue, irgendwie ist es falsch.
Genau dieses «Alles-oder-nichts»-Denken macht müde – und hält dich im Diäten-Karussell gefangen. Lass uns das gemeinsam entwirren. Ohne Dogmen, dafür mit dem, was die Forschung tatsächlich sagt.
Die wichtigste unwichtige Frage
Innerhalb einer ausgewogenen Ernährung spielt das genaue Verhältnis von Kohlenhydraten zu Fetten eine erstaunlich kleine Rolle. Keiner der beiden Nährstoffe ist «böse» – beide gehören dazu.
!Mythos
Es gibt die eine perfekte Aufteilung von Kohlenhydraten und Fetten, die den entscheidenden Unterschied macht.
✓Wahrheit
Sobald die Gesamtmenge an Energie und genügend Eiweiss stimmen, sind die Unterschiede kaum spürbar.
Entscheidend ist also nicht das perfekte Verhältnis, sondern: Wie viel Energie nimmst du insgesamt auf, bekommst du genügend Eiweiss – und kannst du das über Wochen und Monate gut durchhalten?
Was die Forschung sagt
- Grosse Vergleichsstudien zeigen: Bei gleicher Kalorien- und Eiweissmenge macht es langfristig kaum einen Unterschied, ob jemand viel oder wenig Kohlenhydrate isst.[1][2]
- Eine Auswertung der ketogenen Ernährung über rund hundert Jahre fand keinen besonderen Vorteil beim Fettabbau, sobald Kalorien und Eiweiss gleich waren.[3]
- «Low Carb wirkt besser» stimmt vor allem dann, wenn dabei – oft unbemerkt – mehr Eiweiss gegessen wird. Nicht wegen der Kohlenhydrate selbst.
«Gute» und «böse» Kohlenhydrate – Zucker und Obst
- Eine Gewichtszunahme entsteht durch einen Energieüberschuss insgesamt – nicht allein durch Zucker.[4]
- Bei gleicher Kalorienmenge führen mehr oder weniger Zucker zu vergleichbaren Ergebnissen.[5][6]
- Und Obst? Auswertungen zeigen: Wer mehr frisches Obst isst, nimmt tendenziell sogar weniger Kalorien auf. Obst darf also bleiben.[7]
- Auch das Bild «Zucker macht süchtig wie eine Droge» hält der Wissenschaft in dieser Form nicht stand.[8][9]
«Der Schlüssel liegt nicht in der perfekten Aufteilung, sondern in dem, was du langfristig wirklich durchhältst.»
Die einzige echte Regel
So entspannt das klingt – ein Punkt bleibt wichtig: Geh nie dauerhaft unter ein gewisses Mindestmass. Dein Körper braucht sowohl Fette als auch Kohlenhydrate – für Hormone, Energie, Konzentration und dein Wohlbefinden. Statt einen der beiden komplett zu streichen, geht es um genug von beidem.
Eine Orientierung für den Alltag
Wenn du trotzdem einen groben Anhaltspunkt magst – hier eine Orientierung, keine starre Vorgabe:
Eiweiss
Fette
Kohlenhydrate
Diese Werte stammen aus der (sportlich ausgerichteten) Ernährungsforschung. Dein persönlicher Bedarf – gerade in den Wechseljahren – kann anders aussehen. Genau das schauen wir individuell an.
Das nimmst du mit
- Kein Makro-Nährstoff ist dein Feind – Fette und Kohlenhydrate dürfen beide auf den Teller.
- Genügend Eiweiss und eine Energiemenge, die zu dir passt, sind das Fundament.
- Richtung schlägt Punktlandung: Du musst nicht perfekt rechnen oder tracken.
- Was du im echten Leben durchhältst, bringt dich weiter als jede perfekte Theorie.
Dein Weg – ganz konkret
Du möchtest wissen, wie das für dich aussieht – ohne Verbote und ohne Diäten-Karussell? In meiner Ernährungsberatung finden wir gemeinsam deinen alltagstauglichen Weg. Ein guter erster Schritt kann der BalanceTest sein: eine Standortbestimmung deiner Fettsäuren, damit wir beim Thema «Fette» nicht raten, sondern wissen.
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Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und Bildung und ersetzt keine individuelle ernährungstherapeutische oder ärztliche Beratung. Bei gesundheitlichen Fragen wende dich an eine Fachperson.
Quellen
- Sacks FM, Bray GA, Carey VJ, et al. Comparison of weight-loss diets with different compositions of fat, protein, and carbohydrates. N Engl J Med. 2009;360(9):859–873.
- Gardner CD, Trepanowski JF, Del Gobbo LC, et al. Effect of Low-Fat vs Low-Carbohydrate Diet on 12-Month Weight Loss (DIETFITS). JAMA. 2018;319(7):667–679.
- Ashtary-Larky D, et al. Ketogenic diets, physical activity and body composition: a review. Br J Nutr. 2022;127(12):1898–1920.
- Te Morenga L, Mallard S, Mann J. Dietary sugars and body weight: systematic review and meta-analyses. BMJ. 2013;346:e7492.
- Surwit RS, et al. Metabolic and behavioral effects of a high-sucrose diet during weight loss. Am J Clin Nutr. 1997;65(4):908–915.
- Madero M, et al. The effect of two energy-restricted diets, a low-fructose vs a moderate natural fructose diet, on weight loss and metabolic syndrome. Metabolism. 2011;60(11):1551–1559.
- Guyenet SJ. Impact of whole, fresh fruit consumption on energy intake and adiposity: a systematic review. Front Nutr. 2019;6:66.
- Rippe JM, Angelopoulos TJ. Sugars and Health Controversies: What Does the Science Say? Adv Nutr. 2015;6(4):493S–503S.
- Westwater ML, Fletcher PC, Ziauddeen H. Sugar addiction: the state of the science. Eur J Nutr. 2016;55(Suppl 2):55–69.