Gesundheitswege Worauf es wirklich ankommt
Worauf es wirklich ankommt · Teil 2

Gesund leben ist mehr als der Teller

Wenn du das Gefühl hast, dein ganzes Wohl hänge davon ab, was auf dem Teller liegt – atme durch. Gesundheit hat viele Hebel, und Essen ist nur einer davon. Das nimmt Druck raus und macht vieles leichter.

6 Min von Anita Schlüchter · Gesundheitswege

Gute Jahre statt nur viele

Wir werden im Schnitt immer älter. Das Schöne daran: Wir gewinnen Zeit. Das weniger Schöne: Diese gewonnenen Jahre sind nicht automatisch gesunde Jahre. Im Durchschnitt verbringen wir die letzten Lebensjahre nicht mehr in voller Gesundheit.1

Genau hier liegt die gute Nachricht: Es geht nicht nur darum, möglichst lange zu leben, sondern möglichst lange gut zu leben – beweglich, selbstständig, mit Energie für das, was dir wichtig ist. Diese «gesunde Lebensspanne» können wir mit unserem Alltag ein Stück weit mitgestalten.

Gesundheit hat viele Hebel

Über Jahrzehnte hat die Forschung untersucht, was ein langes, gesundes Leben begünstigt. Das Ergebnis ist beruhigend vielfältig: Es ist nicht der eine Faktor, sondern ein Zusammenspiel. Menschen, die mehrere dieser Hebel beherzigen, leben im Schnitt deutlich länger und gesünder.2,3

Signatur · Teil 2
Die Hebel für gute Jahre
Bewegung & Muskeln
Regelmässige Bewegung im Alltag, dazu etwas Kraft – einer der stärksten Hebel überhaupt.
Genug Schlaf
Rund 7–8 Stunden. Erholung ist kein Luxus, sondern Grundlage.
Soziale Kontakte
Verbundenheit statt Einsamkeit – fürs Wohlbefinden enorm wichtig.
Massvoll geniessen
Wenig Alkohol, nicht rauchen. Hier zählt weniger wirklich mehr.
Mindset
Eine zugewandte, positive Grundhaltung und mentale Gesundheit.
Ernährung
Ein wichtiger Hebel – aber eben einer von vielen, nicht der einzige.
Du musst nicht alle auf einmal perfekt machen. Schon ein Hebel mehr macht einen Unterschied.

Der unterschätzte Hebel: deine Muskeln

Ein Hebel verdient besondere Aufmerksamkeit, gerade für uns Frauen ab der Lebensmitte: die Muskeln. Mit den Jahren baut der Körper ganz natürlich Muskelmasse und -kraft ab – Fachleute nennen das Sarkopenie.4 Zwei Gründe spielen mit: Wir bewegen uns oft weniger, und der Körper reagiert schwächer auf Eiweiss als früher.5,6

Das klingt erst mal unangenehm, ist aber kein Schicksal. Denn Muskeln sind enorm wertvoll: Sie geben dir Kraft im Alltag, halten dich stabil, schützen vor Stürzen und unterstützen sogar deine Knochen. Und das Beste: Du kannst aktiv etwas tun.

Muskeln schützen – so geht's

  • In Bewegung bleiben – ein aktiver Alltag ist die Basis.
  • Etwas Kraft einbauen – schon zweimal pro Woche reicht, gerne zuhause (siehe Teil 13).
  • Genug Eiweiss essen – mit den Jahren steigt der Bedarf; ein Richtwert sind rund 1 g pro Kilogramm Körpergewicht (mehr in Teil 7).7

Gerade in und nach den Wechseljahren ist das Gold wert – Muskel- und Knochenschutz in einem. Mehr zum Training in dieser Lebensphase findest du in Teil 16.

Ehrlich bleiben

Zwei Dinge zur Einordnung, damit kein neuer Druck entsteht. Erstens: Vieles, was die Forschung findet, sind Zusammenhänge – kein Beweis, dass das eine das andere zwingend verursacht.2 Zweitens: Vieles ist individuell, und kein einzelner Faktor entscheidet allein. Es geht nicht um Perfektion, sondern um eine Richtung, die dir guttut.

«Es geht nicht um perfekte Jahre – sondern um gute.»

Das nimmst du mit

  • Ziel sind nicht nur viele Jahre, sondern gute, selbstständige Jahre.
  • Gesundheit hat viele Hebel – Essen ist nur einer davon.
  • Bewegung und Muskeln gehören zu den stärksten Hebeln, besonders ab der Lebensmitte.
  • Muskeln schützt du mit Bewegung, etwas Kraft und genug Eiweiss.
  • Kein Faktor entscheidet allein – schon ein Hebel mehr lohnt sich.

Den Hebel Ernährung gemeinsam angehen

Essen ist einer dieser Hebel – und einer, bei dem ich dich gut begleiten kann. In meiner Ernährungsberatung schauen wir, wie du dich gut versorgst, deine Muskeln stärkst und dich in deiner Lebensphase wohlfühlst. Gerade rund um die Wechseljahre ist das mein Herzensthema.

Termin anfragen

Die Ernährungsberatung ist EMR-anerkannt – viele Zusatzversicherungen beteiligen sich an den Kosten. Bitte kläre die Rückerstattung vorab mit deiner Versicherung ab.

Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Beratung. Themen rund um Gesundheit, Essen und Gewicht können belastend sein. Bei gesundheitlichen Fragen, vor dem Einstieg in intensiveres Training oder wenn dich das Thema stark beschäftigt, wende dich bitte an deine Ärztin, deinen Arzt oder eine entsprechende Fachperson.

Quellen

  1. WHO. Life expectancy and healthy life expectancy. World Health Organization.
  2. Loef M, Walach H. The combined effects of healthy lifestyle behaviors on all cause mortality: a systematic review and meta-analysis. Prev Med. 2012;55(3):163–170.
  3. Li Y et al. Impact of healthy lifestyle factors on life expectancies in the US population. Circulation. 2018;138(4):345–355.
  4. Von Haehling S, Morley JE, Anker SD. An overview of sarcopenia: facts and numbers on prevalence and clinical impact. J Cachexia Sarcopenia Muscle. 2010;1(2):129–133.
  5. Steffl M et al. Relationship between sarcopenia and physical activity in older people: a systematic review and meta-analysis. Clin Interv Aging. 2017;12:835.
  6. Paulussen KJM et al. Anabolic resistance of muscle protein turnover comes in various shapes and sizes. Front Nutr. 2021;8:615849.
  7. Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE). Referenzwerte für die Proteinzufuhr. DGE aktuell, 08/2017.
  8. Rico-Uribe LA et al. Association of loneliness with all-cause mortality: a meta-analysis. PLoS One. 2018;13(1):e0190033.
  9. Jin Q et al. Association of sleep duration with all-cause and cardiovascular mortality: a prospective cohort study. Front Public Health. 2022;10:880276.
  10. Keyes CLM, Simoes EJ. To flourish or not: positive mental health and all-cause mortality. Am J Public Health. 2012;102(11):2164–2172.